Folgen des Alkoholkonsums in Deutschland
Seit 1970 bewegt sich der Pro-Kopf-Verbrauch alkoholischer
Getränke, berechnet in reinem Alkohol, auf einem Niveau von
über 11 Litern. Bei Spitzenwerten von 12,5 Litern im Jahre 1980
sind seit 1993 sinkende Verbrauchszahlen zu konstatieren. 1995
lag der Wert bei 11,2 Litern.
Mit diesem Konsum bewegt sich Deutschland nach wie vor in der
Spitzengruppe aller Länder. Der Pro-Kopf-Verbrauch von 11,2 l
entspricht insgesamt einem durchschnittlichen Konsum von täglich
ca. 30 Gramm reinem Alkohol - unter Einrechnung von Kindern,
alten und abstinent lebenden Menschen.
1995 wurden in Deutschland durchschnittlich 137,7 l Bier, 17,4
l Wein, 4,8 l Sekt und 6,5 l Spirituosen getrunken.
1991 tranken hochgerechnet 30 % der Männer durchschnittlich
mehr als die gesundheitsgefährdende Menge von 40 g reinem
Alkohol pro Tag und 30 % der Frauen mehr als die für Frauen
gesundheitsgefährdende Menge von 20 g pro Tag.
Die alkoholbedingte Morbidität und Mortalität in Deutschland
ist ausserordentlich hoch. Einem Fragebogen-Screening zu
Alkoholmissbrauch in der Bevölkerung (7833 Personen) zufolge ist
hochgerechnet bei 6,6 Millionen Bundesbürgerinnen und -bürgern
von einer Alkoholproblematik auszugehen.
Löser schätzt allein die Zahl der Alkoholembryopathie auf
2200 pro Jahr, eine der Extremfolgen von Alkoholkonsum.
Der Alkoholkonsum in der Bevölkerung zieht Behandlungen
alkoholbedingter Erkrankungen in der medizinischen Versorgung
nach sich. So unterscheidet John:
- Alkoholfolgekrankheiten, z. B. Alkoholabhängigkeit,
Delir, ethyltoxische Polyneuropathie, ösophagusvarizen,
alkoholische Leberschäden, und
- alkoholassoziierte Erkrankungen, z. B. Hypertonie,
Kardiomyopathie, Pneumonie.
In Allgemeinkrankenhäusern ist auf der Basis der bisherigen
Befunde von 12,7 % Alkoholabhängigen unter den 18-64jährigen
Patienten auszugehen. Das entspricht ca. 930.000
Behandlungsfällen im Jahr bei der Annahme, dass 50 % der
Aufnahmen diese Altersgruppe betreffen. Hinzu kommen stationäre
Aufnahmen in psychiatrische Krankenhäuser, die als
Suchtaufnahmen ausgewiesen sind, sowie durchgeführte
Rehabilitationsmassnahmen (Entwöhnungsbehandlungen) (BMG, 1996).
Die DHS schätzt, dass direkte Folgen des Konsumverhaltens
sind:
2,5 Millionen Menschen (zwei Drittel Männer, ein Drittel
Frauen), davon 250.000 Jugendliche und junge Erwachsene, sind
behandlungsbedürftig alkoholkrank.
5 bis 7 Millionen Angehörige sind durch die Alkoholabhängigkeit
eines Familienmitgliedes betroffen.
In Deutschland sterben jährlich etwa 10.000 Menschen im
Strassenverkehr. Bei jedem zweiten Unfall hat der
Unfallverursacher alkoholisiert am Strassenverkehr teilgenommen.
Ungefähr 25 - 30 % der Arbeitsunfälle sind alkoholbedingt;
im betrieblichen Bereich rechnet man mit 5 - 10 % Mitarbeiter/
-innen, die alkoholkrank sind.
Die volkswirtschaftlichen Folgekosten des Alkoholkonsums
werden in Deutschland jährlich auf ca. 30 - 80 Milliarden DM
geschätzt. Die WHO beziffert diese Schäden auf 6 % des
Bruttosozialproduktes.
Die jährlichen Ausgaben für alkoholische Getränke liegen
bei 55 Milliarden DM.